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aus Sonic 1.2006
Die Ventile der Posaunen - Teil 2 Ed Thayer und seine Axial-Flow Ventile Von Josua S. Zwanzger
Es ist kaum zu glauben, aber Orla Ed Thayer, aus Waldport, Oregon, wollte seine Idee, Ventile mit wenig bzw. keinem Widerstand zu bauen, zuerst bei den Waldhörnern umsetzen.
Ende des Jahres 1947 brachte er seine Visionen zu Papier und dachte bereits an den Konzeptnamen „axial-flow“. Einerseits dachte Thayer, dass es gelingen müsste, den Luftstrom des Naturhorns durch einen
Umlenkmechanismus in ein anderes Rohr leiten zu können. Andererseits wunderte er sich darüber, dass in den gut 100 Jahren, in denen Ventile in den Blechblasinstrumenten zum Einsatz kamen, niemand vor ihm
auf diese oder eine ähnliche Idee gekommen war. Realistisch genug, um zu sehen, dass ihm die Ressourcen für Entwicklung und Herstellung fehlten, legte Thayer seine Skizze zur Seite.
1976 wurde dann das entscheidende Jahr. Ed Thayer erfuhr von einem Musiker der Nachbarschaft, dass Selmer ein neues Waldhorn auf den Markt bringen wollte. 30 Jahre lang hatte
er kaum einen Gedanken an sein „axial-flow“ Ventil gedacht. Jetzt sah er die Möglichkeit, Selmer für seine Idee zu begeistern. Einem von ihm gebauten Modell aus Plastikschläuchen gelang es tatsächlich,
Selmer neugierig zu machen. Dem Wunsch der Firma, ein Modell aus Messing zu erstellen, kam Thayer gerne nach und er reiste damit nach Elkhart, Indiana.
Dort vor Ort geschah der entscheidende Konzeptwechsel, denn bei Selmer gab es von Posaunisten die meisten Beschwerden über „verstopfte“ Ventile. Obwohl Ed Thayer als Hornist
diesen Verwendungszweck für seine Ventile nie in Erwägung gezogen hatte, erklärte er sich bereit, einen Prototyp für eine Bach 42B zu bauen. Trotz seiner Größe und seines Gewichts war dieser zylindrische
Prototyp geeignet, alle Tester des Instruments für sich zu gewinnen. Jeder bestätigte, dass dies das Ventil mit dem freiesten Luftdurchfluss war, das sie jemals gespielt hatten.
Leider kamen Selmer und Ed Thayer bei ihren weiteren Verhandlungen auf keinen grünen Zweig. Darum beschloss Thayer nun sein Ventil selbst zu produzieren und zu vermarkten.
Allerdings blieben Größe und Gewicht ein Problem, das in irgendeiner Art und Weise behoben werden musste. So kam Thayer auf die Idee, das Ventil konisch anzulegen. Zeitgleich mit der Entwicklung suchte
Ed Thayer nach einer neue Produktionsmöglichkeit und fand sie bei James Nydigger, dem Besitzer von B.J. Enterprises, einem Rüstungskonzern. Nydigger selbst hatte keinerlei Beziehung zum
Blechblasinstrumentenbau. Trotzdem interessierte er sich für dieses Projekt und stellte Thayer seine technischen Möglichkeiten zur Verfügung. Im Herbst 1985 war der Kooperationsvertrag zwischen Thayer
und Nydigger unterschriftsreif. Nur hatte die Sache einen Haken: Nydigger wollte, dass die Patentrechte für ein Jahr auf ihn übertragen werden sollten. Thayer ließ sich in gutem Glauben auf eine Rückgabe
der Patentrechte auf diese Vereinbarung ein, wurde aber im Frühjahr 1987 enttäuscht: die Patentrechte bekam er nicht zurück. Die folgenden Streitigkeiten hatten zur Konsequenz, dass das Patent öffentlich
wurde und damit jedem zugänglich war. In Folge dessen produzierten drei Firmen zeitgleich Thayers Axial-Ventile:
1) James Nydigger in Albany, Oregon. Seine Edelstahlventile sind mit „O. E. Thayer“ graviert.
2) Ventile graviert mit „Orla Ed Thayer“ werden von der Firma „Thayer Valve International“ hergestellt, die 1989 von Ed und Barbara Thayer gegründet wurde. Diese zweite
Generation der Axial-Ventile war aus Plastik, 1990 von Thayer patentiert. Aber es wurde schnell deutlich, dass es mit diesem Material nicht gut funktioniert. Im nächsten Entwicklungsschritt verwendete
Thayer eine extrem leichte und sehr harte Legierung, anodisiertes Aluminium.
3) Seit 1989 produziert Getzen ebenfalls Axial-Ventile aus vernickeltem Messing. Speziell um diese Ventile einzusetzen, wurde die „Edwards“ Posaunenserie entwickelt. Bob
Getzen ehrte mit dem Namen „Edwards“ seinen Sohn Ed Getzen und Ed Thayer selbst.
Der große Vorteile der Thayer Axial-Ventile gegenüber den klassischen Ventilen ist ganz eindeutig der ungehinderte Luftfluss. Gerade im Bereich der Bassposaunen, beim Einsatz
beider Ventile, für manche ein entscheidender Faktor. Nachteile sind das höhere Gewicht, der längere Betätigungsweg und der deutlich größere pflegerische Aufwand.
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