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Kühnl “open flow Ventile”

KH open flow innenDieses neu entwickelte Ventil ist etwas größer im Durchmesser.
In der Bohrung wird mehr Tiefe erreicht, die dem vollen offenen Luftdurchlass  sehr nahe kommt. Es besitzt die gleichen Vorzüge eines normalen Drehventils:  kurze Wege, kein Hakeln.

 

 

 

“Lätzsch full flow Ventile”

nach Angaben des Herstellers:

  • Voller runder Durchgang - Sehr gute Ansprache und grosses Tonvolumen
  • Extrem leichter Wechsel - Schnelle Wechselbetätigung, hoher Bedienungskomfort
  • Kugelgelagert - Geringe Wartung

siehe Lätzsch, Haag
 

“Kanstul CR Ventil”

Leichtbauweise mit gleichmäßiger .593” Bohrung

 

Gary Greenhoe

Umbauten der Ventile für Bach, Conn u.a.
Die von Greenhoe patentierten Ventile engen den Durchlaß- Querschnitt durch spezielle Fertigungstechnik nichtein. Zudem besitzen die Ventile zwischen den Durchlaßbohrungen eine "Entlüftung". Dies hat zur Folge, daß bei Betätigung der Ventile die Luftsäule nicht wie bei allen handelsüblichen Ventilen komplett gestoppt wird. Hierdurch spielen sich Ventilpassagen ungeheuer leicht.

 

aus Sonic 6.2005

Die Ventile der Posaunen – Teil 1
Von Josua S. Zwanzger

Historie
Seit dem Ende des 15. Jahrhunderts blieb die Posaune über 400 Jahre hinweg von ihrem handwerklichen Prinzip her unverändert. Am weitesten verbreitet war die sog. „rechte, gemeine Posaune“, in B gestimmt. Michael Praetorius empfahl, diese Posaune allen anderen vorzuziehen. Die Posaune für die Basslage war in F, D oder auch Es gestimmt . Technische Probleme gab es v.a. mit diesen tiefen Instrumenten. Wegen ihres langen Zugs benötigte die Posaune einen Handgriff am Steg (Schwengel), damit die Bläser/innen die unteren Plätze sauber erreichen konnten. Die technische Beweglichkeit war dadurch natürlich sehr eingeschränkt. Gerade die anspruchsvollere Orchesterliteratur der Romantik verlangte nach einer ausgefeilten Technik. Diese war zwar mit der B-Posaune möglich, aber es blieb in der Basslage die Lücke in der chromatischen Tonleiter zwischen E und Kontra B.

Das Jahr 1832 war dann für die Welt der Blechbläser wegweisend. Joseph Riedl konstruierte in Wien für die Trompeten das Dreh- oder Zylinderventil, das eine horizontal verlaufende Drehschaltung einführte (Grafik). Kurze Zeit später, im Jahr 1839, wurde dieses Ventil von Christian Friedrich Sattler aus Leipzig für die Posaune adaptiert. Er baute in eine normale Posaune ein etwa 1 m langes zusätzliches Rohr (eine Quarte), das durch ein Drehventil zur vorhandenen Rohrlänge dazugeschaltet werden konnte. Betätigt wurde es durch eine Daumen-Zugschnur Mechanik. Die „Tenor-Bassposaune“ war geboren. Darüber hinaus erweiterte Sattler bei diesen Posaunen die Bohrung und die Schallbechergröße. Nun war eine (fast) lückenlose Chromatik möglich. Die Entwicklung der Tenor-Bassposaune war damit abgeschlossen. Der einzige Ton, der nicht offen spielbar war, war das H. Darum war es wieder die Basslage, die eine Modifikation der Posaunen herausforderte. 

Ein knappes Jahrhundert später, 1921, baute Ernst Dehmel eine Kontrabassposaune mit einem unabhängigen Ventilsystem (inline), gestimmt in F/Es/B. Aber erst 1973 übertrug die Firma Reynolds in Elkhorn, USA, das System des Inline auf die Bassposaune. Die erste moderne Bassposaune mit zwei Ventilen, gestimmt in B/F/Es, war geboren. Es war die Olds S-24-G. Jetzt endlich war die Lücke der chromatischen Tonleiter geschlossen. Das H konnte auf einer tiefen 7. Lage unter Betätigung der beiden Ventile gespielt werden.

Der Posaunist  Kauko Kahila war bei dieser Geburtsstunde mit beteiligt. In einem Brief vom 27. September 1995 schreibt er: "After a while, one gets tired of faking a low B and this put my mind to work, how to add tubing to be able to play the low B. Then, the idea of adding another valve to engage the extra tubing when needed; this worked very well. I drew the plans and the Reynolds Company agreed to make it. Since then my original idea has been improved on by other companies, but someone had to have the idea first. In this case it happened to be me. So - that's how the double valve bass trombone was born. I still have the original horn and play on it one hour a day."

Vor- und Nachteile der Drehventile
Die Drehventile lassen sich schnell schalten. War diese Schaltung ursprünglich durch ein Seil möglich, das für den Daumen eine Schlaufe hatte, so war der Einbau eines Druckhebels mit entsprechendem Gestänge für den Daumen bzw. für Daumen und Zeigefinger bei den Bassposaunen sicherlich ein weiterer Fortschritt. Der zweite große Vorteil der traditionellen Ventile ist sicherlich die leichte Pflege. Das Ventil hat zum Ventilgehäuse hin eine relativ kleine Oberfläche. So lassen sich auch trockene Ventile schnell mit etwas Öl gängig machen.

Zwar ist die Handhabung und die Pflege der Ventile ein wichtiger Aspekt, es bleiben aber doch Schwierigkeiten, die weitere Entwicklungen motivierten (siehe unten bzw. in den nächsten Ausgaben von SONIC). Auf der einen Seite erhöhen die Engstellen und die extremen Umleitungen der Luftsäule an den Ventilen den Blaswiderstand erheblich (Bild von den Ventilen). In der Basslage wird dieses Problem besonders deutlich. Gerade wenn die beiden Ventile zusammen benutzt werden, ist ein trägeres Anblasverhalten gegenüber der offenen Posaune spürbar. Die Bläser/innen müssen deutlich mehr Kraft aufwenden, um die Töne zu bilden.

Diese Faktoren zusammen beeinträchtigen das Klangvolumen des Instruments. Die Posaune klingt enger. Ein Effekt, der in der Basslage gerade nicht gewünscht wird. Und so waren es wieder die Bassposaunen, die eine Weiterentwicklung der Ventilsysteme notwendig machten.

Die aktuelle Situation
Zwei Wege wurden in den letzten 20 Jahren sichtbar.
Auf der einen Seite wurden die traditionellen Ventile weiterentwickelt. Ziel war es, die Leichtgängigkeit und Schnelligkeit zu bewahren und mit einem besseren Durchfluss zu kombinieren. Beispielhaft erwähnt seien hier die Full Flow Ventile der Fa. Lätzsch und die Ventile von Zig Kanstul und Gary Greenhoe. Auf der anderen Seite gingen in den 80ern Ed Thayer und Anfang der 90er Jahre René Hagmann neue und erfolgreiche Wege im Ventilbau.

 

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