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Hagmann System
z.B.: Thein, Haag, Courtois

aus Sonic 2.2006

Die Ventile der Posaunen - Teil 3
René Hagmann® und seine „Free-Flow“ Ventile
Von Josua S. Zwanzger

In der Geschichte der Entwicklung der Posaune gab es zwei entscheidende Weichenstellungen. Im Jahr 1839 wurde erstmals ein Ventil in eine Posaune gebaut, 1976 ein neues Ventilsystem für die Posaune konzipiert. Diese Ventile, nach ihrem Erfinder „Thayer-Axial-Flow-Valve“ genannt, erreichten in den 80er Jahren die professionelle Posaunenszene. Auch wenn der freie Luftdurchfluss der „Thayers“ von vielen Posaunist/innen als großer Gewinn angesehen wurde und wird, so gab und gibt es doch eine nicht unerhebliche Zahl von Musiker/innen, denen der Verlust von Luftwiderstand, verbunden mit einer schwierigeren Ansprache in den höheren Lagen, nicht behagt. Ganz zu schweigen von der deutlich aufwändigeren Pflege. Trotzdem war deutlich geworden, dass die herkömmlichen Ventilsysteme mit ihren engen Rotoren und Ventilbögen (closed wrap) überholt waren. An dieser Stelle setzten die Überlegungen des Schweizers René Hagmann an. Er wollte Ed Thayers Grundidee weiterentwickeln, um die oben erwähnten Schwächen auszumerzen. Ausgebildet als Werkzeugmacher, wechselte Hagmann in den 70er Jahren zum Musikinstrumentenbau zur Sparte der Holz- und Blechbläser. Mit Hilfe verschiedener professioneller Musiker betrieb er akustische Studien an den üblicherweise verwendeten Instrumenten. Hagmanns Kombination von technischem Verstand, Umsichtigkeit und Erfindungsreichtum ermöglichten es 1991 Ventil-Prototypen herzustellen, bei denen er seine Vorstellungen eines optimalen Ventils verwirklicht sah. Unterstützung fand  er bei Roland Schnorhk, dem Soloposaunisten des „Orchestre de la Suisse Romande“ in Genf. Er ließ als erster Blechbläser seine eigene Posaune mit einem „Hagmann-Ventil“ umbauen. Serienmäßig wurden die Ventile von Antoine Courtois und dann 1997 von Boosey&Hawkes in ihrer neuen „Sovereign“-Serie verwendet. Schritt für Schritt eroberte sich das Hagmann System seinen Platz im Posaunenbau und kann heute als gleichberechtigt neben den Thayerventilen angesehen werden. Dieses Konzept hat aber weder die traditionellen Ventile, noch das „Axial-Flow-Valve-System“ ablösen können. Hagmanns Innovation fand seinen Platz zwischen den bereits etablierten Systemen.

Die Vorteile gegenüber traditionellen Ventilen sind der verbesserte Luftfluss und die größere klangliche Homogenität in der Ventillage. Allerdings muss der Ventilhebel immer noch einen deutlich längeren Weg zurück legen.

Im Vergleich zu den Thayer-Ventilen geben die Hagmanns den Bläser/innen mehr Halt und Rückmeldung. Man erreicht mehr klangliche Balance zwischen den verschiedenen Lagen. Außerdem sind sie wesentlich leichter zu warten und zu pflegen.

Ganz neu am Markt tauchten 2005 die „Tru Bore“ Ventile von S.E. Shires auf. Auf den ersten Blick wirken sie wie modifizierte Hagmann Ventile. In wie weit sie tatsächlich eine echte Weiterentwicklung oder sogar Verbesserung des Schweizer Konzepts darstellen, wird untersucht werden müssen, wenn uns Posaunen mit diesen Ventilen zur Verfügung gestellt werden können.

Resümee: Versucht man das Angebot der Posaunenhersteller und ihrer verwendeten Systeme zu sichten, so lassen sich keine eindeutigen Präferenzen feststellen. Auffällig ist, dass es mehrere Firmen im europäischen Raum gibt, die Instrumente mit traditionellen Ventilen oder Hagmann Systemen anbieten: Courtois, Rath, Schagerl, Schmelzer, Jürgen Voigt. Einziger deutscher Blechblasinstrumentenbauer, der sich exklusiv für klassische Ventile und Thayer entschieden hat, bleibt Hans Kromat. Die führende amerikanisch Firma Selmer-Bach bietet die klassische Dreierauswahl an: traditionelle Ventile, Thayer-Axial-Valve-System und Hagmann „Free flow“. Im deutschsprachigen Handwerksraum entsprechen dem Romeo Adaci, Thein (allerdings bevorzugt Hagmann) und Haagston. Der einzige, der bei dem Dreierangebot statt der traditionellen Systeme Lätzsch „Full flow-Ventile“ verarbeitet ist die Fa. Haag mit Franz Monschau. Letztendlich bleibt es eine individuelle bläserische Entscheidung, welches System für einen selbst geeignet ist bzw. als passend empfunden wird. Die bisher vorhandenen Möglichkeiten machen die Auswahl sicherlich nicht immer einfach, aber die Chancen stehen für alle gut, das Richtige zu finden. Wir können gespannt sein, welche Innovationen  in den nächsten Jahren noch auf uns warten. Ziel aller Entwicklungen war ja, den Bläser/innen die optimalen Bedingungen zur Verfügung zu stellen, Musik zu machen, die die Menschen im Innersten berührt. Solche Bestrebungen dürfen nie aufgeben werden.

 

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