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Das „deutsche“ und das „amerikanische“ Posaunenkonzept im Vergleich
(gekürzte Fassung eines Vortrags von Heinrich Thein, www.thein-brass.de)

Dieser Vergleich typisiert sehr stark.
Sowohl bei amerikanischen, als auch bei deutschen Herstellern sind Elemente beider Konzepte zu finden.
 


„Amerikanische“ Posaune


„Deutsche“ Posaune


Bautechnik

  • zylindrischer Zug
  • „dicker“ Zug, d.h. der Luftdurchgang im Zug ist weit
  • fest verlöteter Zug
  • gegossene Stützen
  • gezogenes Rohrmaterial
  • mittlere bis dicke Wandstärken
  • Schallbecher etwas V-förmig, konisch-„kurz“ abgeschnitten
  • oft: angesetzter Schall
  • das bautechnische Konzept erinnert stark an das der Renaissance-Posaune
  • „konischer“ Zug (das Mundrohr ist enger als das Zapfenrohr)
  • „dünner“ Zug mit engen Luftdurchgang
    offener Quersteg des Außenzugs
  • geschmiedete Stützen
  • genahtete Rohre
  • dünne Wandstärken, v.a. im Schallbecherbereich, der am Ende einen Kranz aufgelegt hat.
  • Schallbecher weit ausladend, trompetenartig
    Schallbecher mit Längsnaht
  • das bautechnische Konzept erinnert stark an das der Barockposaune


Klang- und Ansprachecharakteristika

  • V.a. auf o und u klingend (voll und dunkel); keine Vokalwandlung
  • vorherrschende Obertöne: 3. und 4. Teilton; es klingt besonders Quinte und Oktave durch.
  • durch den langen zylindrisch verlaufenden Teil der Bohrung in Verbindung mit einem „kurzen“ konischen Schallstück wird eine zentrale Tonrichtung erreicht.
  • Abstrahlwinkel      
  • Es wird nach Sicherheit und zuverlässiger Präsenz des Tones gesucht. Masse soll gezeigt werden.                         
  • sehr vokal von a nach e klingend, obertonreich; Vokalwandlung
  • vorherrschende Obertöne: 4., 5. und 6. aber auch 10. und 12. Teilton; es klingt besonders die Oktave und die Terz.
  • durch die sukzessive Erweiterung der Bohrung und durch das ausladende Schallstück wir eine große Tonstreuung erreicht.
  • Abstrahlwinkel          
  • Es wird nach einer Vielfalt der musikalischen Gestaltungsmöglichkeiten gesucht. Mehr Umfeld wird einbezogen.


Dynamik

  • vom Piano zum Forte ist eine kontinuierliche geradlinige Steigerung möglich. Die „Schmettergrenze“ läuft vom Bass bis zum Diskant in horizontaler Parallelität
  • Schmettern als fortissimo-Signal
  • jeder Ton hat vom piano zum forte ein Eigenleben.
  • piano: Betonung der Terz, Vokal a
  • forte: die Oktave klingt mehr durch, Vokal e
  • gedehnter Schmetterbereich, es gibt ein „unendliches forte“


Mensuren

Bsp.: Bach 50 BL
Bohrung 14,28 mm, Schall: 265 mm

Bsp.: „Deutsche Weite“ V
Bohrung 13,9/14,4 mm, Schall: 250 mm


Aufbau des Posaunensatzes

Suche nach Homogenität. Der Satz soll wie ein “Rohr” klingen. Es wird das einheitliche Klangbild der Posaunengruppe realisiert.

Suche nach der Vielfalt in Harmonie. Ein grobes Raster ist die Zuordnung von Vokalen zum jeweiligen Instrument:
Altposaune: i (a)
Soloposaune Tenor: a
2. Posaune: e
Bassposaune: o
Kontrabassposaune: o (e)

 

Ich freue mich über Deinen Kommentar zu diesem Vergleich bzw. auf deine Erfahrungen mit den unterschiedlichen Konzepten!

Es gibt und gab namhafte Hersteller deutscher Posaunen, die zylindrische Züge verwendet haben, und es gibt und gab namhafte und unbekannte Hersteller amerikanischer Posauen, die an ihren Instrumenten konische Züge eingebaut haben. Wenn ich es richtig weiss, baut z. B. Edwards Posauen sowohl mit konischem als auch mit zylindrischem Zug, der alte Monke hat Posaunen mit konischem oder zylindrischem Zug gebaut, bei Kruspe konnte man beides haben, Schagerl baut nur mit konischem Zug, und so liesse sich die Liste fortführen. Hier eine Systematik zu errichten ist wahrscheinlich schwer. Ich denke, die Übergänge sind fliessend, wie man so schön sagt...
Daniel „die Bassposaune schleppt“ Heim

Vielleicht könnte man noch erwähnen, dass die Amikanne auf Lautstärke gezüchtet ist. Der Kurvenverlauf geht in Richtung hyperbolisches Horn (siehe Lautsprecherbau). Attraktiv ist ja der Massenmarkt der „marching bands“ und Blaskapellen. So kommt es, dass man die Amidinger in jedem Musikladen findet. Die Töne müssen eher „einrasten“ und die Dynamik ist gewissermaßen an - aus. Der Ton soll sich durchsetzen und weit werfen. Dies erreicht man durch Erhöhung der unteren Grenzfrequenz und den Bündelungseffekt einer schmaleren Bauform. Ein kleinerer Markt ist der für Orchestermusiker. „Open Air“ hat ja auch eine andere Akustik als „Kammer - Musik“. Diese Instrumente deutscher Bauart gingen (früher) in Richtung Exponentialhorn. Sie haben eine tiefere untere Grenzfrequenz auch durch einen größeren Hornmund, und sind deshalb etwas weniger laut. Nun gibt es ja Musiker die suchen ein Instrument mit "Sound", aber die Hersteller suchen natürlich den Markt.
Dietmar