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Also ich spiele jetzt seit 5 Jahren Horn und habe das Angebot bekommen auch noch Posaune dazu zu lernen. Meinen Sie, dass es schlecht für den Ansatz ist? Oder auch sonst Probleme geben könnte?

Falls es sich bei Deinem Horn um ein Waldhorn, und nicht um ein Tenor-, Alt- oder Bariton-Horn handelt, lautet meine Empfehlung: Probier die Posaune aus und entscheide dann, ob es auf die Dauer das Horn oder die Posaune sein soll. Die Geometrie des Mundstücks ist beim Horn eine ganz andere als bei Trompeten, Flügelhörnern, Posaunen, Tubas usw.: Der Kessel des Horns ist sehr tief, der Durchmesser sehr klein, der Rand sehr schmal. Es gibt wohl kaum einen Blechbläser, der kurzfristig zwischen Waldhorn und irgend einem anderen Blechblasinstrument wechseln kann und dabei gute Leistung bringt. Bei allen anderen Blechblasinstrumenten gibt es hingegen Beispiele, auch auf Weltklasse-Niveau (James Morrison). Waldhorn ist etwas ganz Besonderes.

Also: ich spiel selber tenorhorn, bariton, tenor- & bassposaune und habe gar keine probleme. Es kommt halt sehr auf die mundstückauswahl an. Wenn möglich alles ein hersteller und die größen (durchmesser, kesseltiefe etc.) sollten nah beieinander liegen.

Das Problem ist nicht, ob es gut oder schlecht ist, Posaune und Horn zu spielen.  Das Problem ist, wieviel Zeit Du zum Üben hast. Jedes Instrument braucht seinen eigenen individuellen Ansatz, der aus vielen Muskelgruppen besteht, die durch regelmäßiges Üben gepflegt werden wollen. Ich spiele Trompete, Sopranposaune, Barrockposaune, Tenorposaune, Bassposaune. Je nachdem, wieviel Zeit ich mir zum Üben nehme, klingen meine Töne. Guter Ansatz will gepflegt werden. Und wenn Du nur 30 Minuten am Tag zum Üben Zeit hast, würde ich mir überlegen, was mir wichtiger ist, beide Instrumente zu spielen, aber keines davon richtig gut. Oder nur 1 Instrument und dafür gut. Es ist alles eine Sache der Qualität und der ausreichenden Zeit.

Sofern es sich bei dem Horn um ein Tenor- oder Baritonhorn handelt, gibt es aufgrund der quasi gleichen Mundstücke keine Ansatzumstellungsprobleme. Man wird dann Mundstücke mit verschiedenen auf die jeweiligen Instrumente abgestimmten Kesselformen jedoch gleichen Rändern einsetzen. Spielst du jedoch das klassische Horn, ist in der Regel, insbesondere in der Ausbildungsphase, mit Schwierigkeiten zu rechnen. Es gibt allerdings Blechbläser, die ziemlich problemlos zwischen Trompete, Posaune und auch Tuba wechseln können. Ich persönlich kenne einige wenige. Dahingegen kenne ich jedoch keinen klassischen Hornisten, der wechselt. Ich kann das z. B. nicht. Der Wechsel vom kleinen zum großen Mundstück (umgekehrt noch ausgeprägter) bereitet mir echte Probleme, so dass ich es sein lasse. Um herauszufinden, ob es funktioniert oder nicht, muss man es halt einfach ausprobieren. Sicher sinnvoll ist es, das ganze auch mit deinen Lehrern zu besprechen.

Nach meiner Meinung ist das nebeneinander Spielen von Instrumenten mit unterschiedlichen Mundstücken möglich, sofern man nicht einen professionellen Anspruch an sein Spiel erhebt. Profis aus meinem Bekanntenkreis raten allerdings alle vom dauerhaften Spiel unterschiedlicher Blechblasinstrumente ab mit der Begründung, daß sich die Lippenmuskulatur auf eine bestimmte Mundstückgröße einstelle, sich bestimmte Tonvorstellungen und Klangausprägungen je nach Hauptinstrument bilden und verfestigen und diese unbewußt auf das Nebeninstrument übertragen werden. Ein zentrierter Posaunenklang ist eben doch etwas anderes als ein weicher voluminöser Hornklang. Zusätzlich wird darauf hingewiesen, daß jedes Instrument sein individuellen "Schwachpunkte" hat, die man meist unbewusst ausgleicht (dieser oder jener Ton ist zu hoch oder zu tief und wird "instinktiv" korrigiert). Dies sei schon beim Wechsel zwischen zwei gleichen Instrumenten nicht einfach und bei unterschiedlichen Instrumenten sogar sehr schwer. Diese Argumentation ist für professionelles Spiel für mich nachvollziehbar.

Ich selber bin seit mehr als 40 Jahren Amateurblechbläser (Hauptinstrument Tuba, mit semiprofessionellem Anspruch), organisatorischer Leiter und Tubist in einer Brass-Band, Tubist in einem Blechbläserquintett und Leiter eines Posaunenchores, der selber auch Bläser ausbildet. Ich spiele allein schon um meinen Bläseranfängern was vorblasen zu können neben meinem Hauptinstrument eine Baßtrompete und eine Trompete (Beides nur zu Ausbildungszwecken). Ich selber merke allerdings nach längerem Spielen eines Instrumentes, daß ich eine gewisse Zeit brauche, mich wieder auf ein anderes Instrument einzustellen. Dies ist um so ausgeprägter, je unterschiedlicher die Mundstücke sind. Meine Frau bläst in der Brass-Band Trompete und im Quintett Horn mit fast gleichen Mundstückrändern. Sie sagt, daß es ihr nicht schwer fällt in unterschiedlichen Gruppen unterschiedliche Instrumente zu spielen. Allerdings wechselt sie nie in einer Probe oder einem Konzert das Instrument (Wechsel nur zwischen Trompete und Flügelhorn). Ich als Laie stelle auch keinen Klangeinbußen bei ihr fest. Mein Fazit: Bei nichtprofessionellem Spiel ist das Nebeneinander verschiedener Instrumente möglich, aber nicht einfach. Leichter ist es wohl, eng beieinander liegende Mundstückgrössen (also Horn und Trompetenmundstücke) zu benutzen. Ich weiß nicht, ob meine Meinung eine Hilfe für Dich ist. Die letzte Entscheidung liegt immer bei Dir und Deinem Lehrer.

Hallo, ich spiele seit einigen Jahren Horn und Posaune nebeneinander, das Hauptproblem ist: Was man durch das Posaunespielen in der Höhe beim Horn gewinnt (weil's eben viel einfacher anspricht) ist der Verlust an Tiefe auf dem Horn (weil man den Mund auf der Posaune viel weiter aufmachen muß). D. h., ich muß mich auf dem Horn lange einspielen. Da Posaune mein Hauptinstrument ist, klappt das Wechseln auf die Posaune problemlos. Wenn man auf dem Horn Großes leisten will (Symphonieorchester oder klassisches Holzbläserquintett), würde ich eher abraten.

Ich spiele Bassposaune - immer schon mit einem sehr großen Mundstück - und hab zwischendurch mal versucht, auf Horn umzusteigen. Beides gleichzeitig zu spielen war sowieso ziemlich unmöglich, und nach der Episode brauchte ich einige Monate, um auf der Posaune wieder einigermaßen was leisten zu können. In meinem Bekanntenkreis herrscht die Meinung, dass so was primär bei sehr ähnlichen bis identischen Kesselrändern gutgeht - oder aber, wenn die Mundstückgrößen derart weit "auseinander" liegen, dass sie sich nicht gegenseitig "ins Gehege" kommen, also etwa bei Trompete und Tuba. Dann wiederum gibts Typen wie James Morrison, die so was ziemlich virtuos hinbekommen - frag den doch einfach mal, wie es geht =;-)